"So richtig Ekeliges kann sogar richtig gut schmecken" das war eine der häufigsten Erkenntnisse bei dem einjährigen Projekt "Gerüchteküche G´sund" an der Jugendstelle im Dekanat Perlach. Im Rahmen des von Jugendstelle und der Mittleren Ebene-Leitung der kjg wöchentlich stattfindenden Jugendleitertreffs, liebevoll "Gerüchteküche" genannt, wurde alle 14 Tage zu Sparschälern, Kochlöffeln und Kochtöpfen gegriffen. Aber nicht irgendwas kam dort auf die Teller: ausschließlich regionale Produkte entsprechend der Saison wurden dort zu schmackhaften Gerichten verarbeitet.
Die Idee zu diesem Projekt kam den Mitarbeitern der Jugendstelle, die einen immer stärkeren Trend zu Fertiggerichten und Fastfood bei den Jugendlichen bemerkten. Sowohl in der Gerüchteküche, zu der viele Jugendliche ohne Abendessen direkt von der Gruppenstunde oder der Arbeit kommen, wie auch bei Sitzungen und Veranstaltungen wurde bezüglich der Verpflegung häufig der pragmatische Weg zur Tiefkühltheke der Supermärkte oder der Pizzaservice gewählt. Mit dem Zuschuss aus dem Kulturfond des Bayerischen Jugendrings zur Förderung der gesunden Lebensführung wurde aus der Idee ein konkretes Projekt. Ein Jahr lang setzten sich die Jugendlichen mit den Themen Erntezeiten, Herkunft, Lagerung und haltbar machen von Lebensmitteln, Biosiegel, gesunder Ernährung, Krankheitsvorbeugung und Sport auseinander. Entsprechend der Erntezeiten standen bayrische Produkte auf dem Speiseplan. Von Apfelkompott, Blumenkohl-Auflauf bis hin zu Wirsinggemüse und Zwiebelkuchen war alles vertreten. Beim Kochen wurden die besonderen Eigenschaften des Gemüses und der Gewürze erklärt. Während des Kochens wurden die verschiedenen Arbeitsschritte von den Jugendlichen schriftlich festgehalten. In den Sommerferien überarbeitete ein Redaktionsteam die Notizen und erstellte daraus ein Kochbuch, das mit vielen Bildern und verschiedenen Spielen und Rätseln einen guten Einblick in das Projekt bietet.
Das Projekt blieb jedoch nicht nur auf die Gerüchteküche begrenzt. Bei zwei Großveranstaltungen im Dekanat stellten die Jugendlichen mit der Jugendpflegerin ein reichhaltiges Buffet zusammen. Außerdem wurde auch bei Jugendseelsorgekreisen, Arbeitsgruppentreffen und Sitzungen Wert auf regionale Produkte gelegt. Hierdurch wurde das Projekt dekanatsweit bekannt und stieß auf sehr positive Resonanz.
Innerhalb des Jahres hat bei allen Beteiligten ein Umdenken begonnen, was auch über das Projekt hinaus und nachhaltig in die Jugendarbeit hinein wirkt. Beim Einkauf von Lebensmitteln für Sitzungen, Veranstaltungen und Wochenenden wird bewusster auf die Herkunft geachtet. Obst aus dem Hofladen ist immer eine willkommene Zwischenmahlzeit. Auch bei der Kochaktion im Rahmen der Gruppenleiterausbildung suchen die Jugendlichen entsprechende Gerichte aus und bereiten diese zu. Viele Jugendliche haben während des Projekts die Erfahrung gemacht, dass Kochen und gesunde Ernährung eigentlich gar nicht so schwer ist, sondern Spaß macht und schmeckt und trauen sich mehr zu.
Dorothea Lubahn