ma(h)l halten - eine spirituelle ErlebnisAusstellung

Jugendliche eignen sich Räume an und füllen sie mit ihren Erlebnis- und GlaubensWelten. Genug um daraus ein spirituelles KunstProjekt werden zu lassen. 14 junge Menschen zwischen 16 und 29 Jahren ließen sich auf dieses spirituelle Erlebnis ein. Am ersten Wochenende in der Fastenzeit 2007 verwandelten sie das KorbiniansHaus der Kirchlichen Jugendarbeit (Foyer) und die Jugendkirche München (zum Teil) in die ErlebnisAusstellung ma(h)l halten.

mal Räume

Mit welchem Gefühl blickst du auf die Ausstellung zurück?

Ich blicke mit Stolz auf die Ausstellung zurück, weil ich das Gefühl habe, dass wir innerhalb der kurzen Zeit alle sehr viel geleistet haben, dass die Ausstellung sehr interessant und vielfältig geworden ist und auch einige Menschen persönlich angesprochen hat.
Melanie

Das Projekt der kjg Giesing und der kjg Perlach (mit Unterstüzung der kjg-Diözesanstelle) gab Jugendlichen die Möglichkeit, ihren Alltag zu unterbrechen, zu reflektieren, miteinander zu essen, zu trinken, Gottesdienst zu feiern und dies gestalterisch auszudrücken. Dazu setzten sie sich mit dem modernen Kunstbegriff auseinander und erhielten weitere Hilfestellungen, um eine ihnen entsprechende kreative Umsetzung zum Thema ma(h)l halten zu finden. Den Jugendlichen eröffneten sich Räume (Fastenzeit als Raum, EJA/Jugendkirche als Raum), die sie selbst erleben und gestalten konnten. "Es geht hierbei um Orte der Auseinandersetzung mit kirchlichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen, Normen und Wertvorstellungen, um Orte einer Kultur der Solidarität, der Besinnung und Lebensdeutung, der Kommunikation, des Feierns und der Entfaltung schöpferischer Fähigkeiten." (Erzbischöfliches Jugendamt München (Hrsg.), Leitlinien für die kirchliche Jugendarbeit, S.25). Für die Gestaltung dieser Räume waren jugendliche Ästhetik und Ausdruck jugendlicher Spiritualität maßgeblich.

mal Kunst

Was war für dich am schwierigsten?

Meinen Gedanken Form zu geben.
Lea

Begonnen wurde das GestaltungsWochenende am Freitag abend mit einem gemeinsamen Mahl. Der Künstler Uli Winkler führte die Teilnehmer/innen in die Vielfältigkeit von (moderner) Kunst und den Umgang mit dem vorhandenen Material ein. Danach erarbeiteten die Teilnehmer/innen ihre persönlichen Zugänge zum Thema und entwickelten die Umsetzungsideen für ihre Kunstwerke. Darüber hinaus wurden der Bedarf an Material und Unterstützung zusammengestellt.

Am Samstag und Sonntag brachten die Jugendlichen ihre Gedanken sehr engagiert, motiviert und ideenreich in Text, Foto, Installationen, Gips, Folie, Kühlschrank, Kupferblech und anderen Materialien zum Ausdruck. Die Kunstwerke wurden im Rahmen der gesamten ErlebnisAustellung arrangiert und dazu Exponatbeschreibungen verfasst. Bei Entwicklung und konkreter Umsetzung wurden die jungen Künstler/innen vom Leitungsteam begleitet.

Die ErlebnisAusstellung ma(h)l halten wurde im HALTEPUNKT.-Jugendgottesdienst der Katholischen Jungen Gemeinde (kjg) eröffnet. Erstaunt, begeistert und bewegt erkundeten die 60 Besucher/innen der Vernissage die Kunstwerke. Von 25. Februar bis 25. März 2007 besuchten zahlreiche Jugendliche, Firmlinge, Mitarbeiter/innen und Gäste des Erzbischöflichen Jugendamts, sowie der Jugendverbände die ErlebnisAusstellung.

mal zurückschauen

Mit welchem Gefühl blickst du auf die Ausstellung zurück?

Besser, viel besser, als ich gedacht hätte. Das ist wohl mein Fazit, aber ich würde es auch immer wieder mitmachen, weil es mir persönlich viel gebracht hat. Inwiefern - das kann ich nicht sagen, ich denke, jeder der mitgemacht hat, kann nachvollziehen, was ich damit meine.
Theresa

Die Jugendlichen arbeiteten motiviert und ausdauernd an der Verwirklichung ihrer Projekte. Die Räume wurden mit Exponaten in einer großen Vielfalt (Folien, Gips, Bildern, Fotos und Texten, großen Installationen…) gefüllt. Die Jugendlichen hatten das Gefühl, ihre Ideen umsetzen zu können und schätzten dabei die künstlerische und inhaltliche Begleitung. Die Exponate schlagen den Bogen vom „mal halten“ zum „Mahl halten“ und erzählen von der Spiritualität und den Lebensentwürfen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Obwohl das Projekt auf gruppendynamische Einheiten verzichtete und die Teilnehmer/innen meist einzeln oder zu zweit an ihren Kunstwerken arbeiteten, meldeten die meisten am Ende zurück, dass sie die Gruppe als tragend und präsent erlebt hatten. Durch das gemeinsame Tun ist eine Gruppe gewachsen, in der die Einzelnen relativ viel von den Lebensbereichen der anderen mitbekommen haben. Für die kirchliche Jugendarbeit erscheint uns dies eine selten gewählte Form zu sein, da das Gespräch die gängige Vermittlungsform in Jugend-Projekten ist. Diese Vorgehensweise ermöglicht viel Information in relativ kurzer Zeit: Um im gegenseitigen Erleben durch das gemeinsame Tun ähnlich viele Informationen zu erhalten benötigt man mehr Zeit. Dennoch stellt es andere Qualität an Kennen und Wissen voneinander dar, wenn Menschen miteinander an einer Sache arbeiten.

Die Form des Wochenendes (am Wohnort, ohne Übernachtung) gab den Jugendlichen trotz des intensiven Arbeitens einen Freiraum für ihre sonstigen Aktivitäten (z.B. Prüfungen oder Partys, die am selben Wochenende in München stattfanden). Der eine oder die andere hätte sicher nicht teilgenommen, wenn das Projekt in einem Jugendhaus fern von München stattgefunden hätte. Für dieses Projekt wuchs eine Gruppe zusammen, die sich aber auch immer wieder auflöste. Eine Form, die für viele Bereiche der kirchlichen Jugendarbeit völlig ungeeignet ist, erwies sich hier als genau richtig.

Markus Lentner, Dekanatsjugendseelsorger Dekanat Perlach
Ingrid Winkler, Dekanatsjugendseelsorgerin Dekanat Giesing